Artikel Gesang


Warum Singenlernen anders ist als Instrumentalunterricht

Unter dem Bergriff "Gesangsunterricht" oder "Vocal Coaching" rangieren die unterschiedlichsten Lehrangebote für die unterschiedlichsten Zielgruppen, je nachdem, was der Lehrer oder die Lehrerin selbst an Fachhintergrund mitbringt. Dabei geht es nicht nur um den Gesangsstil (Klassik, Pop, Rock, Jazz), sondern auch um die eigene Erfahrung in Stimmbildung, Körperarbeit, Menschenführung, Psychologie und als Sängerin oder Sänger. Nicht jeder Bühnenprofi ist auch ein guter Lehrer.

 

Die Gründe, warum jemand Gesangsunterricht nehmen möchte, sind ebenfalls sehr verschieden. Während die einen sich auf einen bewussten Selbsterfahrungstrip begeben, haben andere ein klares Berufsziel (SängerIn, Gesangspädagoge) vor Augen. Manch langjähriger Chorsänger möchte Soloqualitäten entwickeln. Und wieder andere wollen sich einmal wöchentlich etwas Gutes tun, weil sie sich beim richtigen Singen wohl fühlen und glücklich sind "in Resonanz" zu sein oder mal "die Sau raus lassen können" .

Jeder dieser Gründe hat seine volle Berechtigung!

Es kann aber nicht von jedem Lehrer alles erfüllt werden. Daher sollte man Probestunden bei unterschiedlichen Pädagogen nehmen, und sich natürlich vorher darüber klar sein, was man eigentlich will, und worauf es einem ankommt. Nur einfach ein "bisschen singen" kann man doch auch unter der Dusche oder im Auto.

 

Etwas daraus zu machen bedeutet Zeit, Widmung und Überwindung von Hindernissen, wie z.B. zuhörende Familienmitglieder (die manchmal recht platte Kommentare liefern), räumliche Möglichkeiten (nicht jeder Nachbar mag das Üben hören) und auch eigene Vorurteile gegen das, was sinnvoll erscheint oder was man unter Singen versteht, zu revidieren.

Wenn Sie mit dem Gesangsunterricht beginnen, dann werden Sie, sofern es sich um fundierten Unterricht mit guter Stimmbildung handelt, schnell bemerken, dass Ihre Geduld gefragt ist. Aber es lohnt sich!

 

Wenn jemand Klavier spielen lernt, dann setzt er sich an ein bereits fertiges, funktionierendes Instrument, dass er zu bedienen lernt. Der Gesangschüler bringt im Gegensatz dazu einen Bausatz für ein Instrument, nämlich seine Stimme, mit. Dieser Bausatz muss erstmal zu einem brauchbaren Instrument herangebildet werden. Und das braucht Zeit und regelmäßiges Training. Meist ist das Singenlernen eng verknüpft mit persönlichen Entwicklungsprozessen, die erkannt und einbezogen werden wollen.  Denn Singen ist nicht nur Emotion, sondern berührt auch eigene Emotionen.

„Ohne Eifer gibt es keinen Verdienst, so wie es keine Bewegung gibt, ohne Wind."

   

Manche "Bausätze" sind irgendwie schon fragmentarisch vormontiert. Wenn das richtig geschehen ist, dann geht der Rest der Arbeit meist schnell voran. Aber manchmal müssen sie auch wieder gelöst werden, weil sie ein freies und gesundes Funktionieren der Stimme behindern würden. Solche unsachgemäßen „Fehlmontagen“ finden oft in Eigenregie von Laiensängerinnen und -sängern statt. Das heißt, der Gesangsanfänger imitiert z.B. seine Gesangsvorbilder und bringt sich dabei nicht selten eine falsche Technik bei. Für eine Weile klingt die Stimme „cool“, was leider von vielen Nicht-Fachleuten applaudiert wird. Auf lange Sicht aber schädigt falsche Technik die Stimme.

Im fundierten Gesangsunterricht lernen die Schüler, wie ihre Stimme funktioniert und was zu tun ist, wenn sie mal „nicht klingt“ oder „nicht läuft“ und warum das so sein kann. Auch wie man mit Überanstrengungen und Infekten umgeht. Und was man tut, wenn man beim Vorsingen sehr aufgeregt ist. Denn die Stimme reagiert auf Stimmung sofort.

 

Viele Gesangsanfänger haben auch eine falsche Vorstellung darüber, was sie an „Material“ mitbringen. Sie quälen sich mit Stücken ab, die einfach nicht für ihre Stimmlage passen. Oder sie wollen etwas singen, das ihr Leistungsniveau nicht hergibt, und andere Probleme heraufbeschwört.


 Das ehrliche Feedback eines erfahrenen Lehrers startet schon in der Probestunde! 

Wenn es dem Lehrer nicht nur um das Geldverdienen durch mehr Schüler geht,  

wird er Dir sagen, wo Du stehst und was zu tun ist 

und ob eine gesangliche Ausbildung überhaupt Sinn macht.

 

© Tara Tatjana Schuba


Kann jeder singen (lernen)?

Die Auflösung eines emotionalen Banns

DasThema "singen können" ist äußerst schwierig, denn es stößt ungewollt an viele emotionale Schmerzen.  Einem Menschen, der selbstvergessen (und meist glücklich) vor sich hin singt zu sagen , dass er das bitte bleiben lassen soll, weil er nicht singen kann, verursacht so etwas, wie einen Schock.

Erst nach vielen Jahren der Verarbeitung, einer großen Portion Mut und Kraft für einen Neustart, sowie des richtigen Augenblicks trauten sich diese Menschen in den Gesangunterricht oder einen Kurs, um für sich herauszufinden, was denn wirklich dran ist an dem "nicht singen können".

 

Dabei durfte ich schon so manche wunderbare Überraschung erleben und das "hässliche Entlein" dabei begleiten, ein prachtvoller Schwan zu werden. Sehr zu unserer beider Freude!

 

Was ist denn "richtig singen"?

Wenn man sich diese Frage stellt, dann gibt es darauf keine einfache Antwort, sondern nur eine, die damit zutun hat, wo man steht. 

 

Ich selbst bin klassisch ausgebildete Sängerin. Klassischer Gesang ist eine Kunstform, die man sich, wenn man daran interessiert ist und genügend Begabung hat, erarbeiten muss. Und zwar viel mehr als Popgesang oder Jazz oder Rock. Die fallen einem manchmal geradezu in den Schoß, wenn man eine klassische Ausbildung absolviert hat.

 

Die klassische Ausbildung macht großen Spaß, denn sie bedeutet, dass man sich auf ganz neue Weise kennenlernt. Man erfährt sehr viel darüber, wie man "tickt", man lernt sich emotional kennen und auch zu überwinden. 

 

Das vokale Training ist jede Mühe wert, denn mit zunehmender Leichtigkeit und Brillanz entsteht ein Sogeffekt, der einen in die höchsten Höhen feinster Wahrnehmung und positiver Empfindungen transportiert. Und diese geradezu "himmlischen Momente" sind es, die man niemals als Anfänger vermuten würde. Glück ist da ein fast zu grobes Wort. Ich würde es eher Glückseligkeit nennen, die man beim Singen erfährt und bestenfalls sogar für ein Publikum transportiert.

 

Ich selbst singe nicht nur Klassik, sondern auch Jazz und Blues. Klassik ist das Feine, das Erhabene, das mein Fine-Tuning im spirituellen Sinne unterstützt. Jazz und Blues sind erdiger und bieten mir eine andere Palette an Empfindungen und Erlebnissen während des Singens. Und deswegen auch im Ausdruck und der Performance. Ich liebe beides! Absolut!

Und welches ist das "richtige singen"???

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Kann jeder singen lernen?

Das kommt darauf an, wie man das Endergebnis, nämlich "singen können", definiert.

Heißt singen können, eine Opernarie technisch und musikalisch perfekt präsentieren zu können? Oder heißt es, die Melodie eines Fußballliedes laut mitschmettern zu können? Heißt es, auf einer Karaoke-Party sich das Mikro zu schnappen und durch einen Song zu kommen? Heißt es, einfach nur Lieder zu lernen? Oder bedeutet es, die Stimme auszubilden - in welche Richtung auch immer?

Sie sehen, es gibt sehr verschiedene Ansätze und auch Antworten.

Ich persönlich verstehe unter "singen lernen" nicht das alleinige Aneignen von Liedmelodien. Und "singen können" ist für mich nicht automatisch an 20 Jahre Chormitgliedschaft gebunden- für andere aber schon. Und das respektiere ich. 

Für mich ist Singen lernen ein bewusster und geplanter  Prozess der sängerischen Selbstverbesserung, der Ausbildung der Stimme über professionellen Unterricht. Profiunterricht ist nicht "Karaoke mit Korrekturvorschlägen", wie es mancher üblich ist!  Es geht beim Singen um das gemeinsame Musizieren mit  dem Lehrer, adernde Sängern und anderen Musikern. Live!

Unverzichtbar - das richtige "Material"

 Um singen zu lernen braucht man sogenanntes "Material".

So, wie es einen bevorzugten Körperbau gibt, wenn jemand Balletttänzer oder-Tänzerin werden will, einen Körperbau eben, der einem das Tanzen erleichtert, so gibt es auch Vorraussetzungen für das Singen lernen.

Wir brauchen Material, aus dem wir etwas machen können.

 

Die individuelle Anatomie des Gesichtsschädels, des Mundraumes, des Kehlkopfes und des Oberkörpers spielt eine nachgeordnete Rolle. Aber manche "Bautypen" helfen bei einer besseren Klangproduktion. Immerhin geht es auch darum, eine Technik zu erlernen, mit der man locker ohne Mikro über ein 85-Mann-Orchester hinweg kommt. Das vergessen die meisten Sänger, die nur mit Hauch- und Rauschstimme ins Mikro singen können, und das für eine "tolle Stimme" halten. Das ist keine "gute Stimme", sondern ein vokaler Effekt, der technisch verstärkt wird.

 

Sängerbegabung (Material) ist, angelegt- oder eben nicht.

Und auf der Basis dessen, was angelegt ist und wieviel, kann ein entsprechendes Gesangstraining bzw. eine Ausbildung der Stimme stattfinden.

Zu diesem Material gehören nicht nur Musikalität, ein gutes Gefühl für Rhythmik, sondern auch eine gute und gesunde Stimmanlage. Und natürlich, dass man sich hören kann, sprich in der Tonhöhe kontrollieren und gehörte Töne bzw. Melodielinien nachsingen kann.

 

Die Wege zu einem sehr individuell definierten Ziel, was man dann "gut singen" nennt, sind sehr verschieden. Und auch die Gesanglehrer sind u.U. in der Einschätzung von dem "was geht" sehr unterschiedlich. Je nachdem, wie sie ausgebildet und ausgerichtet sind.

 

Jeder, der Lust zu singen hat, sollte das tun

Wenn einen das Thema reizt, sollte man herausfinden, wie weit die Begabung reicht und sich von einem professionellen Lehrer, der ehrlich ist, in dieser Findung unterstützen lassen. Zu dieser Ehrlichkeit gehört es, dem Schüler sein Potenzial aber auch seine Grenzen zu zeigen. Manche davon werden in den ersten Stunden sichtbar, andere erst über einen längeren Zeitraum.

 

Es gibt verschüttete Schätze.

Jeder Interessent, der zu mir in die Probestunde kommt, darf davon ausgehen, dass ich ihn/ihr mit höchstem Respekt begegne und größtem Wohlwollen wahrnehme, und dass er/sie von mir eine ehrliche Antwort bekommt.